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Geschrieben am 2006-01-18 01:31:28 von theshot
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VORSCHAU > Generell > Der Afrikacup 2006
So stark wie dieses Mal, so kommt es einem vor, war der Nations Cup noch nie besetzt. Ein Standardsatz, welcher wohl daher kommt, dass die Zahl der afrikanischen Stars in den europäischen Ligen weiterhin eher zu als abnimmt und die Zahl der in Europa bekannten afrikanischen "Fussball-Länder“ sich langsam aber stetig erweitert.
Doch es kommt ein ganz besonderer Aspekt hinzu, der nahezu alle Teams enorm unter Druck setzt...
Der Afrikacup 2006 verspricht wieder einmal einer der aufregendsten in der jüngeren Geschichte des Wettbewerbs zu werden. Die Konstellation zuvor jedenfalls ist einzigartig. Nicht weniger als 11 Teams sehen sich unter einem mehr oder weniger imperativen Druck das Halbfinale zu erreichen und die meisten hiervon haben sogar den Titel im Visier. Dazu kommen 5 Aussenseiter von denen sich wohl mindestens einer als 'dark horse', als Überraschungsteam, entpuppen könnte.
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Grund für dieses hysterische Ausgangsszenario ist der Ausgang der WM-Qualifikation für Deutschland 2006. Nicht weniger als 6 der Top 7 der Afrika-Rangliste der FIFA werden bei der WM zuschauen müssen, und dabei sind die Ergebnisse der WM-Qualifikation auch noch miteingerechnet. Mit Kamerun, Nigeria und Senegal dabei auch die Länder, denen man in Deutschland die besten Chancen eingeräumt hätte, den Kontinent eindrucksvoll zu vertreten.
Verloren haben sie ihren Platz zum einen gegen Mannschaften, die schon lange einmal dran waren sich zu qualifizieren, wie Kamerun gegen die Elfenbeinküste oder Südafrika gegen Ghana, aber mit Nigeria gegen Angola und Senegal gegen Togo auch an Teams, die nicht einmal zu den etablierten Fussballnamen Afrikas gehören, weder haben sie sich in ihrer Geschichte regelmässig für den Afrikacup qualifiziert noch haben sie dort jemals die 2.Runde erreicht.
Grund für diesen Coup der Kleinen liegen im Management der Qualifikation durch die CAF, den afrikanischen Kontinentalverband, schlechtes Management der Nationalmannschaften der betroffenen, sowie hier und da auch im Engagement der Spieler, die glaubten, das Ding schon noch umbiegen zu können, und letztlich das entsprechende Glück bzw. Pech in den dann entscheidenden Spielen.
Die Folge: Alle 10 stehen unter enormen Druck,das Halbfinale zu erreichen. Nigerias, Senegals, Südafrikas, Kameruns, und auch Marokkos Funktionäre und Spieler würden bei einem weiteren Fehlschlag noch eklatanter die zu oft in Aggressivität umschlagende Enttäuschung der Fans zu spüren bekommen, wie der Kameruner Wome nach seinem verschossenen Elfmeter in der WM-Qualifikation. Angeblich sollen mehrere Häuser verwüstet worden sein, welche nach Gerüchten ihm gehörten, in Wirklichkeit aber nicht. Ob diese Meldung auf dem Kontinent der Gerüchte, Verschwörungstheorien und Klischees aber nun wahr ist oder nicht, ist sekundär, es gibt genug ähnlich gelagerte Fälle und Ausschreitungen nach vergeigten Spielen der Heimmannschaft.
Die anderen 5 wiederum, die WM-Teilnehmer Togo, Angola, Elfenbeinküste, Ghana und Tunesien können sich mitnichten auf den Lorbeeren ausruhen. Ein frühes Ausscheiden würde immanent Hysterie auslösen, jetzt in unrealistische Höhen getriebene Enttäuschung sich mit der Angst vor einem Versagen bei der WM mischen, Sportministerien, Funktionäre, Experten, und Journalisten im Reagenzglas des Aktionismus einen sofortigen 180* Kurswechsel verlangen und wahrscheinlich auch bekommen, anstatt der Erfolgskonstellation der WM-Qualifikation zu vertrauen, Lehren aus der Niederlage zu ziehen. Nigeria hat diese Tortur zuletzt 1998 und 2002 durchgemacht und konnte konsequenterweise das Versprechen der goldenen Generation (Olympiasieg 1996) nie einlösen.
Dazu kommt Gastgeber Ägypten, qualitativ auf Augenhöhe mit den Topteams und in den letzten zwei WM-Qualifikationen nur deshalb gescheitert, weil man das Pech hatte jeweils in die mit Abstand stärkste Gruppe gelost worden zu sein. Als Gastgeber kann man sich ebenfalls ein frühes Ausscheiden nicht leisten ohne das dies zu revolutionären Prozessen in der späteren Aufarbeitung führen würde.
Nun kann man sich leicht ausrechnen, dass mindestens 7 dieser 11 das Halbfinale nicht erreichen wird, ja sogar mindestens 3 nicht einmal die Vorrunde überstehen.
Gerade für Teams wie Angola, Togo, und Ghana, deren Erfolg auf einer mehr oder minder fragilen glücklichen aktuellen Personalkonstellation beruht, könnte das Turnier also durchaus destruktive Folgen im Hinblick auf die WM haben.
Für alle WM Teilnehmer kommt das Turnier sowieso unglücklich, da die Spieler erschöpft zur WM zu fahren drohen, nach einem Qualifikationsmarathon, der in Afrika auch Spiele in der Sommerpause 2004 und 2005 auf dem Programm hatte, ein Baustein in den Gründen für das Scheitern einiger Teams übrigens.
Die restlichen 5 Teams, Zambia, Zimbabwe, Libyen, Guinea und DR Congo, haben dabei mehr oder minder vergleichbares Potential zu Angola oder Togo, zum Teil sogar mehr, wären also bei einer günstigen Konstellation, Team und Trainer eine Einheit, gelungene Vorbereitung, glücklicher Turnierverlauf, durchaus in der Lage für eine Überraschung zu sorgen.
Dass man sich in diesen Ländern nicht auch übertriebene Hoffnungen macht, und die Mannschaften dem Klischee des 'frei aufspielen könnens' frönen dürften, wäre allerdings Illusion.
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